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Dienstag, 15. Oktober 2013

Tag der deutschen Einheit


Einige Wochen vor dem 3. Oktober habe ich unerwarteter weise eine Einladung zum Empfang zum 3. Oktober in der deutschen Botschaft bekommen, mit dem Einladungstext:  “To celebrate the day of German Unity, the Ambassador of the Federal Republic of Germany requests the pleasure of the company of Mrs. Eva Wieners and spouse.” 

Bekanntlich sind schwarz-rot-orange ja unsere Nationalfarben...

Im Büro gab es dann einige Diskussionen, wer für einen Tag mein Ehepartner sein darf, im Endeffekt bin ich dann mit Karin gegangen, die jetzt auch für sechs Monate in Kaule bleibt und meine Vertretung sein wird, wenn ich nicht da bin. Dresscode war „National Suit“ oder „Street Suit“, was dann auch wieder zu Diskussionen führte, da wir uns nicht auf unser Nationalgewand einigen konnten. Hätten wir im Dirndl gehen sollen? Als wir das ausdiskutiert haben, haben wir das alle als Witz genommen, bei dem Empfang waren dann aber wirklich einige Leute im Dirndl da… Allerdings kein Mann in Lederhosen. 

Karin und ich
Wir haben dann unsere schicksten Klamotten aus dem Rucksack gekramt und uns soweit es ging in Schale geworfen und sind zur Botschaft gefahren, und schon vor der Tür war es fein. Die ganzen Autos von den anderen Botschaftern standen in einer Reihe, eins protziger als das nächste… Am Eingang stand dann das Botschaftspersonal aufgereiht, der Botschafter mit seiner Frau natürlich als erstes. Ich war total mit meinen neuen Schuhen beschäftigt und mit der Frage, ob ich mich jetzt auch vorstellen muss, hab also gar nicht so richtig hochgeguckt, bis plötzlich eine Stimme sagte: „Wir kennen uns doch…“. Die Welt ist echt klein, da stand eine Frau, für die ich in meinem Praktikum beim BMZ gearbeitet hatte, die vor drei Wochen nach Kathmandu versetzt worden ist… Unglaublich, dass wir uns jetzt so wieder über den Weg gelaufen sind.
Joachim und ich...
Drinnen bzw. draußen (der Empfang fand im Garten statt…) ging es dann beeindruckend weiter, die ganze Prominenz von Kathmandu war versammelt, es war ein riesen schwarz rot goldener (ok, wenn wir ehrlich sind schwarz rot orangener) Baldachin aufgespannt und ein Heer von Kellnern ist rumgelaufen und hat Bier, Whiskey, Softdrinks und Häppchen gereicht. Echt wie in einer anderen Welt, wenn man Kaulestandard gewöhnt ist… Eine Trompetenband hat neben der Nationalhymne auch so wunderschönes deutsches Liedgut wie  „Das Wandern ist des Müllers Lust“ gespielt und es gab Schnitzel. Am Ende hab ich dann noch durch einen weiteren riesen Zufall einen Kinderarzt kennengelernt, der mir schon von mehreren deutschen „Expats“ empfohlen worden war und dessen Telefonnummer ich im Internet partout nicht finden konnte… Insgesamt also ein sehr gelungener Abend, auch wenn alles etwas surreal und abgehoben war. Ich hoffe mal, nächstes Jahr werden wir wieder eingeladen :-).

Sonntag, 22. September 2013

Ungebetener Hausgast


In den letzten Wochen gab es viel zu tun, ich habe meine Interviews weitergeführt, wir haben viel im und am Demozentrum gearbeitet und vor allem im Garten viel geschafft und gepflanzt. Das Wetter ist endlich besser und der Monsun wohl vorbei, so dass sich unsere Probleme schlagartig von viel  zu viel Wasser zu fast zu wenig Wasser gewandelt haben und wir schon wieder anfangen müssen, die Pflanzen zu gießen. Ist aber definitiv deutlich angenehmer jetzt, kein Schimmel, keine ständig nassen Füße und kein Regenschirmrumgetrage mehr. Bis nächstes Jahr… 

Kardamom pflanzen
Unser Gemüsekäfig... Garantiert Affensicher




Quatsch nach einem Interview mit Damai

Unser Besucher - Hoffentlich bleibt es bei dem einen Mal
Dann hatte ich letzte Woche eine Begegnung der eher unangenehmen Art. Miriam und ich haben seit längerem ein Problem mit Mäusen und Ratten in unserem Haus, wir müssen immer alle Lebensmittel gut einpacken und haben jede Nacht eine kleine Party auf dem Dachboden, die mich schon so manches Mal wachgehalten hat. Neuerdings hatten wir sogar eine riesen Ratte, die allerdings eher so aussah wie eine Ratte aus einem Comicfilm, ganz große Kulleraugen und ansonsten eher wie eine große Maus. Jedenfalls bin ich letzte Woche irgendwann gegen zwölf aufgewacht und habe ein sehr komisches Geräusch gehört, als würde jemand irgendwas über Plastik hinter sich her ziehen. Ich hab dann mit der Taschenlampe rumgeleuchtet und bald den Ursprung gefunden: Eine Schlange hat ihre Runden in unserem Haus gezogen. Zuerst ist mir fast das Herz stehengeblieben, dann konnte ich aber ziemlich schnell telefonisch abklären, dass die weder giftig noch besonders angriffslustig ist und aller Wahrscheinlichkeit nicht an uns interessiert. Trotzdem habe ich in der Nacht kein Auge zugetan und hab die Schlange beobachtet, die mit ihrer Zunge gezischelt hat und immer wieder im Kreis gekrochen ist. Irgendwann hat sie es dann geschafft, an der Tür hoch auf den Dachboden zu kommen, und seither habe ich weder Schlange noch Ratte jemals wieder gesehen oder gehört…  In Nepal sagt man, dass es Glück bringt, wenn eine Schlange ins Haus kommt, also nehme ich das jetzt einfach so und freue mich darüber, dass die Schlange auch gleich unser Nagetierproblem gelöst hat. Zu viel darüber nachdenken will ich nicht, sonst kriege ich doch nur Albträume… 

Das süßeste Schmollgesicht das es gibt...
Dann habe ich noch eine Bitte. Im Dezember werden wir hier in Kaule für die Landwirte ein Kiwitraining durchführen. Dafür brauchen wir noch Unterstützung, um nach dem Training auch Setzlinge verteilen zu können. Wir sammeln Spenden auf der Spendenplattform Betterplace.org, falls also jemand von Euch die Möglichkeit hat, uns zu unterstützen oder auch unser Projekt weiterzuverbreiten, würde ich mich sehr freuen!

Miriam geht es super, ich bin immer wieder überrascht, wie schnell sie fließend Nepali gelernt hat und wie gut sie sich zurechtfindet. Ihr Temperament hat sie allerdings natürlich immer noch, so dass nicht immer alles leise über die Bühne geht. Uns tolle Schmollgesichter kann sie auch weiterhin machen :-).
Ich hoffe für Euch, in Deutschland wird es nicht zu schnell Herbst und es gibt noch ein paar schöne Tage. Hier fängt jetzt die schönste Zeit des Jahres an…

Freitag, 6. September 2013

Wichtiger Schritt für meine Promotion und ein neuer Hund


Der Hauptgrund für unseren Aufenthalt in Nepal ist ja, dass ich meine Promotion hier anfertige. Manchmal rückt das aber durch den ganzen Arbeitsstress, Miriam und allem drum herum fast in den Hintergrund, weil es dann doch immer wieder anderes zu tun gibt. In den letzten Wochen seitdem ich wieder in Nepal bin habe ich mich aber mal am Riemen gerissen und mich auf den Hintern gesetzt, so dass ich gestern einen wichtigen Schritt nach vorne tun konnte: Ich habe mein erstes Interview geführt. 


Erstes Interview mit Ram Bahadur


Grob gesagt werde ich in meiner Doktorarbeit eine Methode aus der Aktionsforschung untersuchen, mit der Menschen dazu bewegt werden sollen, sich nachhaltiger zu verhalten um sorgsamer mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen. Diese Methode wurde bis jetzt vor allem in Industrieländern ausprobiert, ich untersuche nun, ob sie auch in Nepal funktioniert und welche Anpassungen nötig sind. Um später Aussagen treffen zu können, ob sich Einstellungen und Wahrnehmungen der Menschen durch die Teilnahme an meinen Workshops verändern, muss ich vorher und nachher Interviews führen, um diese Änderungen nachvollziehen zu können. Das letzte Jahr über habe ich mir vor allem ein Bild darüber verschafft, wie das soziale Netzwerk in Kaule aussieht und welche Problemfelder hier wichtig sind, jetzt habe ich mit dem ersten Interview einen wichtigen Schritt in Richtung der Workshops getan, die das Kernstück meiner Doktorarbeit sind. Ich bin sehr froh, dass ich jetzt endlich „sichtbare“ Daten produziere, das fühlt sich einfach besser an.
Außerdem haben wir jetzt einen neuen Hund. Nachdem Nuri mittlerweile bei Alina in Deutschland lebt, haben die Affen wieder angefangen auf unserem Tisch rumzutanzen, so dass wir uns entschieden haben, dass wir jemanden brauchen, der Haus und Hof hütet. Batza heißt unser Neuzugang (nepali für Baby, den Namen  hat Miriam ausgesucht…), und im Moment ist sie noch kein wirkliches Raubtier. Ich bin mir aber sicher, in Zukunft wird sie uns gute Dienste leisten, und alle die mich kennen wissen, dass das verdammt viel heißt wenn ich das über einen Hund sage :-).
Batza
Ja, ich streichle einen Hund. Auch wenn sie fotoscheu ist
So langsam hört es auch auf zu regnen, was und Miriam sehr freut. Wir haben glaube ich beide die Nase voll vom ständigen nass sein und Regenschirm tragen. Auf den Winter freue ich mich zwar auch nicht unbedingt, aber jetzt kommen ja erst mal ein paar sehr schöne Wochen auf uns zu.

Mittwoch, 21. August 2013

"Arbeitsupdates"

Ich schreibe hier ja ständig "Es ist so viel zu tun, ich hab keine Zeit zum Blogschreiben", und jetzt dachte ich mir, vielleicht interessiert ihr euch ja auch dafür, was ich denn so mache, wenn ich sage es ist immer so viel zu tun. Auf der Kaule Homepage gibt es regelmäßig Updates zu unserer Arbeit, vielleicht sogar etwas häufiger als hier :-). Ich würde mich freuen, wenn ein paar von euch auch dort mal reinschauen.


Donnerstag, 15. August 2013

Urlaub in Deutschland


Um ein wenig der Regenzeit in Nepal zu entfliehen, haben Miriam und ich im Juli einen Monat Urlaub in Deutschland gemacht. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten (Miriam hat die erste Woche lang nur Nepali gesprochen) haben wir vier sehr schöne Wochen in Münster und Germersheim verbracht, die viel zu schnell vorbei gegangen sind. Ein besonderer Höhepunkt war der Urlaub am Meer, Miriam war zum ersten Mal bewusst am Strand und konnte gar nicht genug bekommen vom Spielen im und am Wasser. Außerdem hat sie Unmengen an Eis vertilgt und ausgiebig mit ihren Spielsachen gespielt, die ja größtenteils in Münster geblieben sind. 
Besuch im Zoo

Ohne Worte...


Den Partnerlook hat übrigens Miriam ausgesucht, damit  hatte ich nichts am Hut...
Jetzt sind wir seit fast einer Woche wieder hier und es regnet wirklich viel. Zum Glück ist unser Haus viel trockener als das Demozentrum, so dass wenigstens nicht all unser Hab und Gut verschimmelt ist, dafür ist aber eine Flasche Chlorreiniger in meinem Rucksack auf dem Flug geplatzt und hat mir viel  zu viele Anziehsachen versaut. Naja, wenigstens ist das Pumpernickel und die Schokolade heile geblieben :-)
Am Strand ein Eis essen - Miriams Definition von Paradies
Furba hatte Miriam sehr vermisst, sie ihn auch. Als wir nach unserer Ankunft zum ersten Mal zu ihm gegangen sind, stand er mit zwei ausgerupften Blumen am Straßenrand und hat Miriam schon von weitem zugerufen „I love you!“. Jetzt sind die beiden wieder glücklich vereint, und schon nach fünf Minuten hat Miriam mir gesagt, ich könnte jetzt gehen, sie würde jetzt mit Furba spielen und hätte nicht vor, mit mir nach Hause zu kommen.
Hier in Kaule werden in den nächsten Wochen hoffentlich viele Dinge passieren, es stehen einige personelle Änderungen an, wir beginnen ein Affenprojekt (Juchu!!!) und ich stehe kurz vor dem wichtigsten Part der Datenerhebung für meine Doktorarbeit. Ich hoffe, es wird alles wenigstens halbwegs planmäßig ablaufen (ganz so naiv wie am Anfang bin ich nicht mehr…) und ich kann viel schaffen in den nächsten Wochen.
Versprechungen mehr zu schreiben werde ich nicht mehr geben… Ich versuche mein Bestes, hat aber ja wie ihr gemerkt habt in den letzten Monaten oft eher nicht geklappt. Wie gesagt, ich gebe mein Bestes, um mir die Zeit zu nehmen. Jetzt mache ich mich erst einmal auf den Weg zurück nach Kaule (ich bin gerade in Kathmandu) und hoffe, dass ich nicht allzu nass werde…

Sonntag, 26. Mai 2013

Fotos aus den letzten Wochen

Die Aussicht ist und bleibt schön!

 Die letzten Wochen sind wie im Flug vergangen, ich glaube es waren die anstrengendsten und intensivsten, seitdem ich hier bin. Wir haben viel geschafft, das Dach ist erneuert und glänzt funkelnagelneu in der Sonne, organisatorisch sind wir einige Schritte weiter und auch sonst läuft alles gut. Leider bin ich in den letzten Wochen oft krank gewesen und bin immernoch dabei mich zu erholen, ich hoffe mal, dass ich damit jetzt erstmal alles durch habe, was man so bekommen kann. Ich will jedenfalls in nächster Zeit kein Krankenhaus von innen sehen müssen! Und ich habe meine Flug nach Deutschland gebucht, vom 10 Juli bis zum 8. August werde ich zu Hause sein und der Regenzeit ein wenig entfliehen.
Mangels viel Zeit zum Schreiben, habe ich einfach mal einige Fotos aus der lezten Zeit hochgeladen, kleiner Ersatz. Nächstes Mal gibts mehr zu lesen...

Hab ich eine coole Tochter...
Auch wenn ich es nicht wahrhaben will, es ist wohl doch Zeit, dass es wieder regnet ...
Intercropping auf nepali: Marihuana und Mais
Schon die kleinsten helfen mit...
Fieldvisit
Nepalische Hochzeit - Alle haben sich schick gemacht, und ja, es gibt einen lustigen Grund für das viele Pink :-)
Frauen tragen blau auf Hochzeiten :-)


 
 
Sooo cool
Jeden Sonnenstrahl ausnutzen


Der Dachmaster...

... und seine Helfer (obwohl da noch einige fehlen...)


Boardmeeting

Alina, wir vermissen Dich!!!
Miriam hilft beim Kochen